Weidinger Festspiele zum Renn-Jubiläum

Festspiele finden in aller Regel in Festspielhäusern, Theatern oder Sälen statt. Glücklicherweise aber manchmal auch auf Naturrennstrecken. So wie am 13. und 14. Juli in Homburg, auf dem 2,6 Kilometer langen Bestzeit-Abschnitt der „Käshofer Straße“, deren 5 Meter breites Asphaltband zügig-selektiv einen schnellen Wechsel vom Saarland in die Pfalz ermöglicht. Ohne jegliche Grenzkontrollen, aber inklusive deutlich spürbarem Belagwechsel. Bei idealen äußeren Bedingungen ging die 40. Auflage der Traditionsveranstaltung des Homburger AC glatt über die Bühne, bot Aktiven und Fans 3 interessante Trainings- und 3 spannende Renn-Akte, denen in Umfeld-Details – ganz gemäß dem Jubiläumsgedanken – ein gewisser Touch von Nostalgie anhaftete.

Im Homburg-Festspielprogramm gilt unser Hauptaugenmerk natürlich dem Auftritt des KW Berg-Cup Ensembles, den wir uns nun genüsslich anschauen wollen. In der Reihenfolge, wie auch im Wettbewerb gestartet wird.

Bei den 1,3-Litern geben im Training die 16V’s den Ton an. Hugo Moser setzt im giftgrünen VW Polo die Bestmarke, dicht gefolgt von Armin Ebenhöh im Minichberger Polo. Mit etwas Respektabstand folgt Manfred Konrad im VW Corrado, dahinter reihen sich Nils Abb und Christof Hörnig in ihren 8-Ventiler Polos ein. Am Sonntagmorgen präsentiert sich Armin Ebenhöh in Bestform, übernimmt 0,56 Sekunden vor Hugo Moser die Führung. Dahinter das schon bekannte Bild, das Manfred Konrad, Nils Abb und Christof Hörnig in der Verfolgerrolle zeigt. Diese Reihung hat auch im 2. Heat Bestand, an der Spitze vergrößern sich die Abstände etwas. Nur Christof Hörnig knabbert ein wenig vom Vorsprung ab, den Nils Abb im 1. Run herausfahren konnte. Im Finale will der Ölpumpen-Antriebsriemen des Konrad Corrado nicht mehr vom Saarland in die Pfalz, bei Posten 4 geht er von Bord, springt ab. Manfred stellt den Motor blitzartig ab und hofft nun, mit neuen Pleuellagerschalen und einem Ölwechsel davon zu kommen. Und mit einem neuen Antriebsriemen natürlich. Drücken wir die Daumen, dass bis zum Glasbachrennen am Corrado alles wieder wie geschmiert läuft. Nach diesem Vorfall ist der Endstand hergestellt: Klassensieg für Armin Ebenhöh vor Hugo Moser und Nils Abb, der zugleich 1300er KW 8V-Trophy Gewinner ist. Auf das Sonderwertungs-Siegerstockerl begleiten ihn Christof Hörnig als Zweiter und Markus Hülsmann (VW Golf) als Dritter.

Die 2-Liter Klasse steht ganz im Zeichen von Jörg Weidinger, der im Rottenberger BMW 318i E36 STW zu keinem Zeitpunkt auch nur den geringsten Zweifel an seinen Siegambitionen aufkommen lässt. Von Anfang an diktiert er das Tempo, legt in jedem Lauf mindestens 2 Sekunden zwischen sich und seine nächsten Verfolger, die im Verlauf der 3 Probedurchgänge mehrfach die Positionen tauschen. Roman Sonderbauer erweist sich final als schnellster des Restfeldes, liegt seinerseits aber nur knapp vor Björn Wiebe im Renault Williams Laguna aus der BTCC, Norbert Wimmer im 8-Ventiler BMW 2002 und Patrick Orth im BMW 320iS. Am Rennsonntag wird das Spiel neu gemischt, allerdings nur von Platz 2 aufwärts. Jörg Weidinger bleibt das unangefochtene Trumpf-Ass. Roman Sonderbauer zieht die Verliererkarte, touchiert im ersten Run mit dem Ziegler Kadett 16V die Leitplanke, Homburg-Game over für den sympathischen Bundespolizeibeamten aus Grafling bei Deggendorf. Björn Wiebe schlüpft mit sehr ansprechenden Zeiten in die Rolle des Kronprinzen, rangiert auf Platz 2, Patrick Orth ist Dritter. Dahinter melden sich zwei Saison-Späteinsteiger respektlos und gekonnt zurück: Norbert Wimmer (P4) und Bernd Ehrle im 8-Ventiler Kadett C-Coupé als Fünfter. So bleibt es bis Rennende, auch wenn die Zeitabstände immer wieder variieren. Günter Göser (Kadett 16V) pirscht sich im Verlauf des Wochenendes bei seinem ersten 2013er Bergeinsatz bis auf Rang 6 nach vorne. Ihm folgen Christian Dümler (VW Golf 8V/P7), Thomas Flik im Renault Clio 16S Williams als Achter sowie Johann Hatezic (Opel Ascona B/P9) und Horst Wiebe im Renault Megane Maxi AWR auf Platz zehn. Auf das 2-Liter KW 8V-Trophy Siegerpodest fahren Norbert Wimmer (P1), Bernd Ehrle (P2) und Christian Dümler als Dritter. Johann Hatezic wird Sonderwertungsvierter, Position 5 sichert sich Hans-Dieter Seitz im Ford Escort RS 2000.

Bleibt noch die FS/E1 über 2 Liter, deren Resultat in der Regel auf den vorderen Rängen mit der Tourenwagen Gesamtwertung identisch ist. Das ist in Homburg anders. Warum? Wegen der Weidinger Festspiele eben. Doch der Reihe nach. Die Haupt-Titelaspiranten der Deutschen Berg Meisterschaft 2013, Klaus Hoffmann und Herbert Stolz, sind sowieso mit von der Partie. Eine Berg-Unbekannte ist Porsche Werksfahrer Timo Bernhard, der zum Homburg Jubiläum seinen 911 GT3 Cup aus der Deutschen Rallye Meisterschaft einsetzt. Und auch den mit reichlich Drehmoment und Allradantrieb gesegneten Mitsubishi Lancer EVO Piloten René Laubscher aus der Schweiz und Belgiens Urgestein Yanick Bodson eilt nicht unbedingt der Ruf voraus, Kinder von Traurigkeit im Umgang mit dem Gaspedal zu sein. Beim Betrachten der Trainings-Gesamtergebnisliste scheint noch alles „normal“ zu sein. Die schnellsten „Fahrzeuge mit Dach“ tauchen auf den Plätzen fünf bis acht auf. In der Reihung Klaus Hoffmann, Herbert Stolz, Timo Bernhard und Jörg Weidinger, Hans-Peter Eller ist Zehnter. Am Sonntag dann der Renn-Urknall. Jörg Weidinger drückt im 2-Liter Gruppe H BMW seine hervorragende Trainingszeit nochmals um fast eine Sekunde nach unten. Okay, das passiert immer wieder. Dass allerdings bei gleichbleibenden Bedingungen kein anderer Tourenwagen diese Marke knacken kann, ist außergewöhnlich. Im zweiten Run findet Jörg nochmals 0,703 Sekunden, bleibt vorne! Nur eine Handvoll Rennsport- und Formelfahrzeuge ist schneller. Erst in der letzten Auffahrt fängt ein hoch motivierter und alles gebender Klaus Hoffmann im Opel Astra V8 Coupé DTM Jörg noch um ganze 0,29 Sekunden ab. Jörg wird zweitschnellster Tourenwagen und Sechster Over All. Damit unterstreicht er eindrucksvoll die Qualitäten des BMW 318i STW seines KW Berg-Cup Teampartners Dieter Rottenberger. Und beweist seine fahrerische Extraklasse, die ihn neben vielen anderen Erfolgen zum zweifachen Berg-Europameister der Tourenwagen Kategorie I und zum Deutschen Automobil Bergmeister der Rennsportfahrzeuge gemacht hat. Das Klassenresultat der FS/E1 sieht Klaus Hoffmann als Sieger vor Herbert Stolz im Porsche 935 DP II und dem frisch gebackenen Papa Timo Bernhard, der nach Heat zwei bis auf 0,197 Sekunden an Herbert Stolz dran ist, sowie René Laubscher und Yanick Bodson.

Es sind nun 6 von 12 Läufen zum KW Berg-Cup Gruppe H 2013 gefahren. Noch ist kein sicherer Trend in Sachen Meisterschaftsfavoriten zu erkennen. Und das ist gut so. Schließlich soll der Spannungsbogen hoch bleiben. In unser aller Sinne. Bereits in knapp 14 Tagen, vom 26. bis zum 28. Juli, steht mit dem 18. Internationalen ADAC Glasbachrennen ein absolutes Saisonhighlight im KW Berg-Cup Kalender. Das Prädikat Europa Bergmeisterschaft wird ganz sicher weitere hochkarätige und illustre Starter auf die hochmoderne 5,5 Kilometer Strecke in Thüringen locken. Wie wird sich das KW Berg-Cup Ensemble dabei in Szene setzen? Gibt es die nächsten Festspiele? Wem werden sie gewidmet sein? Schauen wir es uns doch an, seien wir dabei. Live natürlich. Bis dann also!

 

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